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Letzte Aktualisierung: 2. 3. 2009

The London Gap

Das scheinbar absolut Wichtigste in London läßt sich in einem Satz zusammenfassen:

Mind the gap!

erstes Bild: 1 von 4 voriges Bild: 1 von 4 The London Gap - Bild 200902282339 nächstes Bild: 2 von 4 letztes Bild: 4 von 4

Langfassung: Please mind the gap between the train and the platform.

Bereits wenn man mit der U-Bahn vom Flughafen Heathrow in Richtung Innenstadt fährt, bekommt man diesen Satz unaufhörlich zu hören: in der U-Bahn fast vor jeder Haltestelle und auch aus den Lautsprechern vieler U-Bahn-Stationen. An einer Station wurde er sogar als Dauer-Endlosansage abgespielt: "Mind the gap. Mind the gap. Mind the gap. Mind the gap ..."

Man hat den Eindruck, dass die Londoner hier wirklich an die Grenze gegangen sind, um die Anzahl der Einlieferung in die Chirurgie wegen Verletzungen in Folge von Unachtsamkeit beim Ein-/Aussteigen und Zwangseinweisungen weil jemand übergeschnappt ist, in Folge der ständigen Ansagen von "Mind the Gap", auf exakt Gleichstand zu optimieren, wobei mein persönlicher Eindruck ist, dass die Zwangseinweisung in eine geschlossenen Anstalt bereits den höheren Risikofaktor darstellt.

Mir selbst ist kein Fall untergekommen, wo jemand übergeschnappt ist, allerdings auch kein Fall, wo jemand in den Spalt zwischen Zug und Bahnsteig hineingefallen wäre, was an den meisten Stationen auch gar nicht möglichich ist, weil kaum ein Spalt vorhanden ist.

Ich kann mich erinnern, dass wir - (wohl) im ersten Jahr Englischunterricht - den Satz "Mind the Gap" gelernt hatten. Damals ist mir nicht bewusst geworden, welch fundamentale Bedeutung und welch bedeutenden Stellenwert dieser eine Satz "Mind the gap" im Leben jedes Bewohners und jeder Bewohnerin und jedes Besuchers und jeder Besucherin von London einnimmt, wobei ich mir auch sicher bin, dass die Londoner diesen Satz inzwischen nicht mehr hören, nicht mehr hören können oder gezielt überhören müssen, um nicht überzuschnappen.

Auch manchen Londonern scheint aufgefallen zu sein, dass diese Ansagen sehr dominant sind. Oder waren es Ausländer oder Zuwanderer? Jedenfalls bekommt man in Souvenierläden Artikel zu kaufen, auf denen "Mind the gap" aufgedruckt ist. Die orininellsten davon sind vielleicht Damenslips - natürlich mit dem Haltestellensymbol der "Underground", wobei auch hier eigentlich nur auf bekannte Tatsachen verwiesen wird.

Entweder will man aktiv Unfälle vermeiden, oder es ist ein reines Haftungsproblem, so, wie wenn jemand ausrutscht, weil es eisig ist, oder einfache ein Schuldiger gefunden werden muss, wenn man seinen Hund im Mikrowellenherd getrocknet hat, nachdem ja nirgends angeschrieben war, dass das Trocknen von Hunden im Mikrowellenherd für den Hund in den meisten Fällen tödlich sein wird.

In der heutigen Zeit ist ja niemand mehr selber Schuld, wenn er/sie unachtsam ist und mit dem Kopf gegen die Straßenlaterne donnert. Die Stadtverwaltung wird geklagt, weil nicht an jedem Laternenmasten ein Warnschild angebracht war, und an jedem Warnschild ein weiteres Warnschild, weil man sich am Warnschild verletzen könnte. Überall Lautsprecheransagen in der ganzen Stadt: "Achtung vor den Straßenlaternen, diese sind hart und können zu Kopfverletzungen führen." Warnstreifen auf jeder Gehsteigkante: Diese können nicht nur Autoreifen zerstören. Mir sind tatsächlich Todesfälle bekannt. Und natürlich muss auf jedem Auto ein Totenkopf angebracht sein, mindests 60 cm breit und 80 cm hoch, denn mit Kraftfahrzeugen gibt es bekanntlich wirklich laufend sehr schwere Unfälle.

Für Hörbehinderte Personen wird "Mind the gap" als Laufschrift in den U-Bahn-Zügen optisch angezeigt.

Wie wichtig diese häufigen Ansagen sind, kann man daran ermessen, dass ich beim Einsteigen und Aussteigen aus den Zügen an "Mind the Gap" anfangs eigentlich überhaupt nicht gedacht habe - trotz der Ansagen!

Allerdings bringen bei uns die Eltern den kleinen Kindern bei, dass gewisse Dinge gefährlich sind. Und man gewöhnt sich irgendwann daran, dass man beim Einsteigen und Aussteigen aus einem Fahrzeug die Augen aufmacht.

Man stelle sich vor, jemand kommt vom Lande und ist sein ganzes Leben noch nie mit einem motorbetriebenen Fahrzeug gefahren. Das trifft insbesondere dann zu, wenn man gerade aus dem Flugzeug ausgestiegen ist? Ist das Aufsteigen auf einen Leiterwagen, der von einer Kuh gezogen wird, nicht viel gefährlicher?

Das Hauptproblem wird eigentlich das sein, dass die Bahnsteige sehr unterschiedlich sind, und das "Gap" immer wieder anders aussieht. Mal geht es hinauf, mal geht es hinunter, mal ist die Lücke breit, mal ist sie schmal. Dadurch wird es immer wieder zu Unfällen kommen, und man kann die Warnung nicht oft genug aussprechen: "Mind the gap, please!"

Gap: Lücke, Spalt, Schlucht; fig. Lücke, Zwischenraum (auch zeitlich), Unterbrechung, Unterschied.



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